Was bedeuten die Werte IK und AVK?                                                      zurück

Die sogenannte Linienzucht und auch die Inzucht sind Verpaarungen von Tieren, deren Verwandtschaftsgrad enger sind als in der Rasse allgemein üblich. Man kann bestenfalls einen nicht definierten Unterschied ausmachen: Gefühlsmäßig wird die Linienzucht als in Ordnung betrachtet, während der Begriff "Inzucht" einen negativen Touch hat. Die sachliche Grundlage hierfür fehlt, da in beide Begriffe per Definition das gleiche bedeuten. 
Die große Ausnahme dieses Szenarios ist die sogenannte Inzestzucht (Verpaarung von Verwandtschaften ersten Grades untereinander), der grundsätzlich die Erlaubnis verweigert wird, da ein übermäßig hohes Risiko an nicht erwünschten Folgen auch in kommenden Generationen befürchtet werden muss. Man hat früher solche Verpaarungen gemacht, meist als Testpaarungen, um die vererbenden Eigenschaften eines Hundes herauszufinden. Damals herrschte bei manchen Züchtern auch die Überzeugung vor, sie würden etwas Gutes für ihre Zucht und Rasse tun, wenn sie einen Champion nur so oft als möglich in den Ahnentafeln der Nachkommen verewigen. Schauen Sie sich doch einmal die Geschichte Ihrer Hunderasse an, Sie werden in vergangenen Generationen so manches entdecken. Dabei ist der Name der Rasse völlig irrelevant.
Aber jede Hunderasse hat ihren eigenen, üblichen und auch durchschnittlichen Inzuchtgrad. Sonst hätten wir keinerlei rassespezifischen Merkmale, und die Welpen sollten doch ihrem Rassebild entsprechen.

Zuerst einmal steht IK für den Inzuchtkoeffizient und AVK für den Ahnenverlustkoeffizient. Jeder Züchter sollte über diese Werte Bescheid wissen, und sie auch dem potentiellen Welpenkäufer mitteilen können.

Leider gibt es wenig Anhaltspunkte für den maximalen ohne Nachteile bleibenden Inzuchtgrad. In der Fachliteratur vorhandene Beispiele herauslesen spiegeln wieder, dass die negativen Begleiterscheinung erst bei Werten über 20% einsetzen, was ein extrem hoher und in den seltensten Fällen erreichter Grad ist. Wir arbeiten mit Richtwerten, die für den IK nach Möglichkeit unter 5% liegen.

Am Beispiel des Cassid of White Unicorn lässt sich allerdings ausmachen, das diese Werte auch bei den käuflich erwerbbaren Programmen voneinander abweichen, da beim IK der Wert der Eltern und deren Eltern meist nicht berücksichtigt wird. Wir haben diverse Programme getestet und kamen bei Cassid auf Werte zwischen 4,97% und 7,5% heraus. Von Hand nachgerechnet auf fünf Generationen hatten wir dann einen Wert von 3,51%. Dieser relativ hohe Wert der Programme lässt sich darauf zurückführen, das die Programme sämtliche bekannte Ahnen mit verrechnen, wobei der Wert nach der Meinung verschiedener Gelehrter nur bis in die vierte oder fünfte Generation verrechnet wird. Der IK ist ein Arbeitswert, ein Hilfsmittel, der dem Züchter an die Hand gegeben wird, um geplante Verpaarungen zu vergleichen und ihren Nutzen abzuschätzen. Das setzt eine Vergleichbarkeit aller IK- Werte voraus. Daher sollten bei Vergleichswerten immer von der gleichen Anzahl Generationen ausgegangen werden. Der IK berechnet sich folgendermaßen:

IK=Summe (0,5) hoch (n1+n2+1)

Hierbei steht n1 für die Zahl der Generationen vom Vater zum gemeinsamen Vorfahren A, n2 für die Zahl der Generationen von der Mutter zum gem. Vorfahren A. Für jeden gemeinsamen Vorfahren ist getrennt zu berechnen und dann wird alles summiert. zusätzlich wird auch noch der IK des gemeinsamen Vorfahren berücksichtigt. schaut ziemlich kompliziert aus und ist es für stark ingezüchtete Tiere auch. Bei einem oder zwei gemeinsamen Vorfahren geht es recht einfach.  Wenn Sie möchten, können sie uns hier Ihre Ahnentafel zukommen lassen, und wir berechnen Ihnen Ihren Wert gegen eine kleine Spende an unseren Verein. Allerdings hat der IK für einen Züchter nur ungenügende Aussagekraft. 

Unter Züchtern wird daher meist mit dem AVK gearbeitet, welcher im Idealfall momentan über 80% liegt. Aber auch hier zeigt sich, das die Werte ungenau sind. Die getesteten Programme lieferten Werte zwischen 49,74% und 56,32%. Als wir dann von Hand nachrechneten, kam ein Wert von 73,6% heraus. Verrechnet wird das folgendermaßen: Man sucht sich als erstes alle bekannten Ahnen bis in die sechste Generation. Im Idealfall hat man nun 127 verschiedene Hundenamen, was einen Wert von 100% bedeuten würde. Im Falle des Cassid haben wir jedoch 2 Ahnen als Registrierhunde, die als Mitrassebegründer gelten und deren Vorfahren nicht gelistet werden, und hatten nur 92 verschiedene Namen. Diese 92 werden durch 127 geteilt und mit 100 multipliziert, was dann den Wert ausmacht. Auch hier gilt: Gegen eine kleine Spende an den Verein rechnen wir den AVK Ihres Hundes aus.

Ältere Hunde unserer Rasse weisen vermeintlich schlechte Werte auf, was auf die anfänglich fehlende Blutvielfalt und auf vielfältig praktizierte Inzucht vor 30 Jahren und mehr zurückzuführen ist. Wenn man die Geschichte des Berger Blanc Suisse betrachtet, dann stellt man fest, das es wenige "Urhunde" gab. Da man aber mittlerweile wesentlich verstärkt darauf achtet, das nicht nur die Ahnentafeln in Ordnung sind, sondern die meisten Züchter bestrebt sind, sich hintergründiges Wissen über diese Problematik anzueignen, und wir doch mittlerweile über mehrere verschiedene Blutlinien verfügen, werden sich diese Zahlen von Generation zu Generation verbessern, genauso wie die Möglichkeit, sich ein Zuchtpaar zuzuschneidern. Wir leben in einer globalen Welt, und es ist heute nicht schwer, zum Decken auch größere Entfernungen zu überbrücken.

 

zurück